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Design Sprint 2020

"Privacy by Design: Tackling the Wicked”

Für „wicked problems“ gibt es per Definition keine einfache Lösung – schon gar nicht innerhalb nur einer wissenschaftlichen Disziplin. Was also tun, wenn sich effektiver Datenschutz im Alltag oft als „wicked problem“ erweist?

Man nehme Studierende der Rechtswissenschaften, füge ihnen eine Auswahl an Designer*innen bei und versorge sie einen Tag lang mit interdisziplinären Inputs. Sodann verbünde man alle Teilnehmer*innen zu unschlagbar kreativen Privacy-by-Design Teams und lasse sie knapp zwei Tage lang unter Hochdruck an kreativen Lösungen arbeiten.

Nach diesem Rezept ist von 8. bis 10. Oktober der „Design Sprint 2020“ an der Universität Graz über die Bühne gegangen. Organisiert wurde er vom Arbeitsbereich Eisenberger (Institut für Öffentliches Recht und Politikwissenschaft) in Kooperation mit Dr. Stefanie Egger (FH Joanneum) und DI (FH) Christian Lepenik.

Donnerstag - Input, Input, Input

Nach der Eröffnung durch Prof. Iris Eisenberger und Organisatorin DI Annemarie Hofer (Arbeitsbereich Eisenberger) startete das inhaltliche Programm mit interdisziplinären Inputs für die motivierten Teilnehmer*innen. Begrifflichkeiten und Selbstverständnisse wollten reflektiert und erklärt werden, denn nur in den seltensten Fällen sprechen Jurist*innen und Designer*inne dieselbe Sprache.

Prof. Iris Eisenberger gab einen Überblick über das System der Grundrechte in Österreich, Mag. Magdalena Nemeth (Arbeitsbereich Eisenberger) konfrontierte die Design-Sprinter*innen mit Grundrechtseingriffen durch sogenanntes „Nudging“. Dr. Stefanie Egger präsentierte die unterschiedlichen Wirkungen, die Design auf unser Verhalten haben kann, und Mag. Andreas Rohner (Knyrim.Trieb Rechtsanwälte) gab Einblicke in die Praxis des Datenschutzrechts.

Angeknüpft wurde dabei an den Einführungsvortrag ins Datenschutzrecht von Assoz.-Prof. Christian Bergauer (Institut für Rechtswissenschaftliche Grundlagen), den sich die Teilnehmer*innen in Vorbereitung auf den Designsprint online angesehen hatten.

Freitag – Breaks are for the weak!

Nachdem sich am Donnerstagnachmittag drei Teams aus Jurist*innen und Designer*innen formiert hatten, machten sie sich am Freitag daran, an Lösungen für datenschutzrechtliche Probleme zu arbeiten. Wie bei Sprintformaten üblich wurde dabei viel getüftelt, ausprobiert, so manche Idee verworfen, wiederaufgenommen, umformuliert und schließlich in die Form eines Mock-ups oder Demoversion gebracht. Nur widerwillig verließen die unaufhörlich werkenden Teams am Abend den Seminarraum.

Samstag – We proudly present: „nö-card“, „Safe.Citizen“ und E-Impfpass neu

Am Samstag warteten die Teilnehmer*innen bereits ungeduldig darauf, in den Hörsaal eingelassen zu werden. Zunächst hatten sie noch die Gelegenheit letzte Änderungen an den bald anstehenden Präsentationen vorzunehmen. Um Punkt 12 Uhr begann die erste Präsentation.

Gruppe 1 (Corinna Kacirek, Marla Meilinger und Andre Rohrleitner) hatte die sogenannte „nö-card“ entwickelt. Die „nö-card“ möchte aufzeigen, welche Daten bei der Nutzung von herkömlichen Kundenkarten gesammelt werden. Dazu zeichnet die „nö-card“ auf, welche Daten durch die Nicht-Nutzung einer Kundenkarte nicht erhoben wurden. Sie stellt also sozusagen „Undaten“ dar. Das Projekt will durch diese kreative Intervention den Datenschutz stärker in das Bewusstsein der Konsument*innen rücken und gleichzeitig die übermäßige und unverhältnismäßige Erhebung personenbezogener Daten kritisieren.

Gruppe 2 (Manuela Strametz, Anna-Theresa Wagner, Lukas Pirker und Gvantsa Kapanadze) konzipierte einen „Safe.Citizen“. Der „Safe.Citizen“ ist ein digitales Portal, das digitale Behördengänge bündelt und eine nutzer*innenfreundliche Oberfläche bereitstellt. Besonders hervorgehoben wurde, wie sich ein modulares E-Government-Portal auf die Sichtbarkeit verschiedener Datensammlungen auswirkt: Die Verschiebung vom gläsernen Datensubjekt „Bürger*in“ hin zum gläsernen Datenverarbeiter „Staat“ soll Bürger*innen mehr Macht über die eigenen Daten geben und gleichzeitig Behördengänge erleichtern.

Gruppe 3 (Sonja Zechner, Caroline Müller, Emil Nigmatullin und Michaela Franjo) hat sich dem Entwurf zum Gesundheitstelematikgesetz angenommen und dabei vor allem das Thema des elektronischen Impfpasses in den Mittelpunkt gestellt.

Die Frage war, ob und wie ein digitaler Impfpass als digitale Applikation datenschutzkonform umgesetzt werden könnte. Die skizzierte App sollte dabei aber nicht nur Impfdaten verwalten, sondern den Bürger*innen auch die Kontrolle darüber geben, welche Daten mit wem geteilt werden. Die Gruppe hat dazu Mechanismen der Zugriffskontrolle entworfen, in denen bestimmten Interessengruppen, wie etwa Hausärzt*innen oder Apotheker*innen, vom Zugang ausgeschlossen werden konnten.

Fazit

Die Jury zeigte sich von allen drei Projekten in höchstem Maße beeindruckt. Die interdisziplinären Teams haben sich dem Thema „Datenschutz“ aus verschiedenen Richtungen angenähert und gezeigt, wie bereichernd die gemeinsame Arbeit über disziplinäre Grenzen hinweg sein kann.

Die Teilnehmer*innen haben im Rahmen des Design-Sprints die Gelegenheit genützt, die eigene Herangehensweise an Probleme zu hinterfragen, zu schärfen und sich auf neue Art und Weise mit ihrer eigenen Fachdisziplin zu identifizieren.

 

Das Team des Arbeitsbereichs Eisenberger bedankt sich für das großartige Gelingen bei allen, die am Design Sprint 2020 mitgewirkt haben, insbesondere selbstverständlich bei den Vortragenden Assoz.-Prof. Christian Bergauer, Dr. Stefanie Egger, Mag. Magdalena Nemeth und Mag. Andreas Rohner, für die spannenden Einblicke, die sie mit uns geteilt haben. Im Mittelpunkt stehen jedoch die großartigen, motivierten und inspirierten Teilnehmer*innen, deren Neugierde, Raffinesse und Kreativität Lust auf mehr machen.

 

Nikolaus Poechhacker, Thomas Buocz, Annemarie Hofer

 

Auf eine baldige Wiederholung und mit herzlichem Dank,

das Team des Arbeitsbereichs Eisenberger

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